Wie wichtig das Geschäft mit Social Games geworden ist, beweist die neue Kooperation von American Express mit Spielentwickler Zynga. Kunden von American Express können jetzt ihre Treuepunkte in virtuelle Güter eintauschen, um damit ihre virtuelle Farm, Café oder ähnliche Online-Schauplätze auszustatten. Sind Incentives wie Kaffeemaschinen oder Kugelschreiber passé? Heißen die neuen Anreize jetzt Kühe und Kochplatten, sprich: virtuelle Güter?
Wenn American Express-Kunden normalerweise mit ihrer Karte zahlen, erhalten sie sogenannte Membership Rewards. Dies ist ein Bonusprogramm, bei dem die Kunden für jeden Einsatz ihrer Kreditkarte Bonuspunkte erhalten – für jeden Euro Umsatz gibt es einen Punkt. Diese Punkte konnten bisher in über 400 verschiedene „echte“ Belohnungen umgetauscht werden: Lautsprecher, Badesets oder Hotelübernachtungen.
Doch dank der Verknüpfung mit Zynga können diese Punkte nun auch in virtuelle Güter umgetauscht werden, d.h. Traktoren für Farmville oder ein Ofen bei Café World. Damit die Belohnungen noch attraktiver werden, gibt es exklusive virtuelle Güter, die ausschließlich durch AmEx-Punkte zu erstehen sind, wie den „American Express Blitz Herd“ bei Café World oder eine violette „AmEx-Kuh“ bei Farmville.
Jeden Monat spielen über 200 Millionen Nutzer die Social Games von Zynga. Ein enormes Potenzial, wird diese Nutzerschaft erst einmal erreicht.
Den umgekehrten Weg, die in Online-Games erspielten virtuellen Punkte in echte Produkte umzuwandeln, gehen dagegen noch wenige Unternehmen. Durch In-Game-Advertising könnte das durchaus finanziert werden.
Services in Spiele verwandeln. Diesen Trend erkennen immer mehr Unternehmen und bauen Social Gaming Elemente in ihre Angebote mit ein. Denn Spaß und Motivation durch Belohnungen aktivieren die Kunden stärker als Anweisungen und versprechen damit mehr Erfolg für das Unternehmen.
Die Seite Ridekicks in Großbritannien nutzt Social Gaming um die Fahrgewohnheiten der Menschen zu ändern. Wer Fahrgemeinschaften bildet, erhält Punkte. User, die eine Fahrt planen, veröffentlichen dieses Angebot auf der Plattform – ähnlich wie das in Deutschland etwa bei Mitfahrgelegenheit.de möglich ist. Zusätzlich können sie es in sozialen Netzwerken promoten. Auch die Mitfahrer setzen ihr Gesuch online – auf der Seite oder auf Social Networks. Die Abrechnung erfolgt dann über die Seite, wobei Ridekicks 5% des Fahrpreises einbehält. Fahrer und Mitfahrer erhalten für jede gefahrene Meile einen Punkt. Ebenso wenn sie sich gegenseitig bewerten. Wer schlecht bewertet wurde, bekommt dagegen Punktabzug. In Anlehnung an Foursquare, werden verschiedene Titel vergeben. Ziel der User ist es, „König der Straße“ zu werden.
Noch hat sich Ridekicks nicht entschieden, wie es die gesammelten Punkte weiter belohnt, ist aber offen für Vorschläge.
Eine gute Idee von Ridekicks, über spielerische Anreize etwas für die Umwelt zu tun und nebenbei natürlich Geld zu verdienen.
Ob virtuelles Schweinezüchten auf der eigenen Farm oder Hobbykochen – Millionen von Usern verbringen ihre Zeit in sozialen Netzwerken mit Games wie Farmville. Die Unternehmensberatung Mücke, Sturm & Company schätzt den Umsatz durch den Verkauf virtueller Güter in Spielen bei Facebook auf mindestens 680 Millionen Euro in diesem Jahr.
Für das Jahr 2015 rechnet die Unternehmensberatung mit 3,9 Milliarden Euro Umsatz durch den Verkauf virtueller Güter auf Facebook. Das Geheimnis des Erfolges ist das so genannte Freemium-Konzept: Während die Mehrzahl der User kostenlos spielt, ist ein kleiner Teil bereit, Geld für zusätzlichen Premium-Content auszugeben. Durch diese zusätzlichen kostenpflichtigen Spielinhalte wird das Aufsteigen in höhere Level beschleunigt. “Dieses Item Selling ist das Herzstück der Monetarisierung von Social Games”, sagt Achim Himmelreich. Manager bei Mücke Sturm & Company. Rund 90 Prozent der Umsätze von Social Gaming werden dadurch generiert.
Auch andere Beteiligte gewinnen mit Social Gaming, so die Untersuchung: In-Game-Advertising eröffnet der werbetreibenden Industrie bisher ungenutzte Potentiale. So können ihre Produkte in die Spiele integriert werden oder sie entwickeln gleich ihre eigenen Games.
Aufgrund des hohen Monetarisierungspotentials rechnet die Unternehmensberatung in den kommenden Monaten mit folgenden Entwicklungen bei Social Gaming:
- Öffnung weiterer Plattformen für Drittanbieter
- Aufbau sozialer Gaming-Plattformen auf diversen Onlineportalen
- Wachsendes Interesse an mobilem Social Gaming
- Eintritt weiterer Unternehmen der Games- und Medienindustrie ins Social Gaming