Junge Deutsche verlieren Lust am Auto

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Am Auto lässt sich der soziale Status des Besitzers ablesen – das war einmal. Heutzutage ist das Auto für viele Jugendliche in Deutschland nur noch ein Fortbewegungsmittel. „Die emotionale Bindung der jungen Generation an das Statussymbol Auto lässt deutlich nach.“ Dies ist die Kernaussage der Studie „Jugend und Automobil 2010“, durchgeführt vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach, bei der 1100 junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren befragt wurden. Der Autokauf wird demnach immer rationaler: Was Fachleute als „automobilen Mehrwert“ bezeichnen, wird zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Die Menschen wollen kleine, sparsame, umweltfreundliche Fahrzeuge mit geringerer Motorisierung. Doch trotz aller Innovationen der unter Druck geratenen Autohersteller, interessieren sich junge Menschen einfach nicht mehr für Autos. Andere Anschaffungen werden wichtiger:

  • Vor die Wahl gestellt, auf welche Investitionen zugunsten eines Autos am ehesten verzichtet werden würde, votieren fast 30 Prozent der jungen Erwachsenen kategorisch gegen das Auto.
  • Jeder Dritte beziehungsweise Vierte ist nicht bereit, für ein neues Auto auf Urlaubsreisen oder eine eigene Wohnung zu verzichten.
  • Vor die Wahl gestellt, ob sie im Zweifel lieber ein Auto oder eine eigene Wohnung hätten, votieren nur vier Prozent für das Fahrzeug.
  • Nur 18 Prozent wollen ihre Ersparnisse für einen Wagen antasten.

Das Auto als Statussymbol bei jungen Menschen ist passé. Diesen Befund sollten besonders Premiumhersteller aufmerksam verfolgen. 2009 wurden nur 7 Prozent der Neuwagenkäufe von 18- bis 29-Jährigen getätigt. Doch wie sieht die Zukunft der Mobilität aus? Verschiedene Trends und Visionen zeichnen sich ab:

  • Menschen besitzen künftig keine eigenen Fahrzeuge mehr, sondern kaufen sich nur noch Kilometer. Dafür erhalten sie dann ein Auto, das sie in der jeweiligen Situation benötigen: Im Winter ein Allradfahrzeug, im Sommer ein Cabrio, für die Fahrt in die Ferien einen Kombi.
  • Das Auto dient nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern als Lebensraum. Die Fahrzeuge werden immer vernetzter, mit Internetzugang und iPod-Anschluss als Standard.
  • Carsharing-Projekte boomen. Die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen, ohne sie selbst zu besitzen, hat sich nach einer Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little im vergangenen Jahr verdreifacht.

Konzerne werden sich insgesamt ganz neuen Einflüssen unterwerfen müssen. So wird die Struktur der Stadt entscheiden, welche Arten von Mobilität entstehen. Um innerhalb der Stadt keine Maut bezahlen zu müssen, hat Porsche beispielsweise den Konzeptsportwagen Porsche 918 Spyder entwickelt. Dieser kann 25 Kilometer rein elektrisch fahren – ausreichend, um von der City bis zur Stadtgrenze zu fahren und dort den lauten Verbrennungsmotor zu starten. Bei Jugendlichen ist übrigens Audi die beliebteste Automarke. Im Januar und Februar hat Audi fast 29 Prozent mehr Autos verkauft als im Vorjahr. Die Herausforderung besteht eben darin, sich an die junge Gesellschaft anzupassen.