Im Sommer 2009 stellte der IT Experte Nicholas Carr die provokante Frage: „Macht uns Google dumm?“ Sein Argument dafür war die Beobachtung, dass ihn sein Online-Suchverhalten mit seiner Bequemlichkeit und Zerstreutheit daran hinderten, seine Konzentrationsfähigkeit zu üben. Zu viele Störfaktoren verhinderten eigene und tiefere Gedankengänge, wie wir sie beispielsweise beim Lesen eines Buchs hätten. Das Pew Internet & American Life Project startete deshalb eine Umfrage in den USA zu dieser Behauptung. Ergebnis der Befragung: 81 Prozent der Experten und 76 Prozent der Internetnutzer glauben nicht daran und sind sogar der Meinung, das Internet mache uns schlauer. Ihr Hauptargument ist, dass die Menschen sich zwar weniger merken müssen, dafür aber mehr Zeit zum Nachdenken haben. So hätten wir mehr Zeit kreative Lösungen für Probleme zu finden.
Fast die Hälfte der europäischen Internetnutzer gibt ihre Suche bei Suchmaschinen wie Google und Co. auf, wenn sie in den ersten 10 Suchergebnissen nicht findet wonach sie sucht. Das ergab eine Studie des europäischen Marketingverbands IAB Europe und InSites Consulting. Demnach sind die Internetnutzer ungeduldig und gehen davon aus, dass die relevantesten Ergebnisse am Anfang aufgelistet sind. 40% der Nutzer sehen sich nur die ersten 10 Ergebnisse an, geben danach allerdings auf, wenn sie nicht die gewünschte Information erhalten. Für Inhaber einer Website macht dieses Surfverhalten eine Suchoptimierung extrem wichtig. Bing könnte hierbei einen Vorteil gegenüber Google haben, da die neue Suchmaschine von Microsoft dem User viele Infos auf einen Blick liefert und aufbereitet, und ihn nicht wie bei Google nur durch weiterführende Links zu den Seiteninhalten bringt.
In Amerika findet man jetzt Geschäfte, die an ihrem Schaufenster einen Barcode Sticker haben. Der Grund: Google verteilte die Aufkleber an ausgesuchte Läden, die sich damit eine Art Gütesiegel ans Fenster kleben können. Die Barcodes wurden an 100.000 US-amerikanische Geschäfte und Restaurants verteilt, die bei Google.com und Google Maps am häufigsten gesucht wurden und gefragt sind. Besucher der Location können diesen Barcode (ein sogenannter QR Code) dann mit ihrem Handy scannen. Ein normales Handy mit Kamera und eine Applikation, die QR Codes lesen kann, genügen. Anschließend erhält man Bewertungen des Geschäfts, aber auch Coupons. Eine zweite Versandwelle ist geplant, die weitere Läden als einen der „Favorite Places on Google“ ausweisen. Die Besucher selbst können nach dem Shopping-Erlebnis ebenfalls eine Bewertung abgeben.
Das Start-up Pixazza, das unter anderem von Google mitfinanziert wird, will Bilder, die in Blogs oder anderen Webseiten gepostet sind, taggen und die Produkte auf den Fotos herauslesen. Die gefundenen Produkte, wie z.B. Kleidungsstücke oder Taschen, werden dann markiert und beim Mouse-over erscheint eine Produktinfo mit Preis sowie ein Link zum passenden Online-Shop. Eine Art Demoversion ist bei den US-Klatsch-Seiten „Just Jared“ und „Celebuzz“ online zu sehen: Wird hier ein Bild eines US-Stars gepostet, markiert der Blog-Betreiber oder ein anderer Experte von Pixazza vorher Bereiche, in denen Produkte zu sehen sind. Bei einer Sonnenbrille der Marke X beispielsweise, wird man dann per Link direkt in den entsprechenden Shop geleitet. Sollte es anschließend zu einem Kauf kommen, erhält der Betreiber der Seite seinen „Cut“, ein Teil davon bleibt bei Pixazza. Aktuell sollen bei Pixazza bereits 2 Mio. Produkte bei 60 Händlern verfügbar sein. Sollten sich die User daran gewöhnen, wird dies garantiert eine lukrative Einnahme-Quelle für Blogger werden. Auch Soziale Netzwerke hat die Technik-Firma ins Visier genommen. Doch Pixazza denkt schon weiter: In Zukunft will das Unternehmen das System auch für Videos einführen. Taggen kann man bewegte Bilder nämlich längst schon.
Bing, Yahoo und Google haben ihre Top-Suchanfragen von 2009 veröffentlicht. Da Bing bisher nur US-amerikanische Ergebnisse liefert, stellen wir zum besseren Vergleich ebenfalls die US-Resultate der anderen Suchmaschinen daneben. Sehr interessant: Twitter ist das meistgesuchte Wort 2009 bei Google, bei Bing belegt es nach Michael Jackson Platz 2.
meist gesuchte Begriffe 2009 (USA)
In Deutschland allerdings taucht Twitter nicht in der Top-10-Liste von Google auf. Die Deutschen interessieren sich mehr für Videos und Online-Shopping. Hier die häufigsten Suchbegriffe von Google Deutschland:
meist gesuchte Begriffe 2009 (Deutschland)
Die Google Such-Trends der einzelnen Länder gibt’s auf dessen Zeitgeist-Seite.
Nach Facebook mobbt jetzt auch noch Medien-Mogul Rupert Murdoch den Suchmaschinen-Primus Google. Murdoch verhandelt mit dem Google-Rivalen Microsoft darüber, dass die Artikel seiner Zeitungen (u.a. Sun und Wall Street Journal) nur noch exklusiv bei Microsofts Suchmaschine Bing auftauchen sollen und nicht mehr bei Google. Microsoft ist sogar bereit für diese „De-Indexierung“ von Google große Summen zu bezahlen – nicht nur an Murdoch, sondern auch an andere News-Anbieter. Diese könnten somit von der Rivalität zwischen Google und Bing entspannt profitieren, was ihnen sehr gelegen käme: Durch den Rückgang des Printgeschäfts haben die Verlage starke Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Für Online-News möchte nämlich kein Leser zahlen – außer Microsoft.