Kleinere Betriebe kennen das Problem: Bei Konkurrenz durch Großbetriebe fallen ihre Umsätze oft bedrohlich schnell. Kreative Zusatz-Dienstleistungen können das verhindern.
So hatte zum Beispiel der Sanitärbetrieb Ulrich Bergmann die Idee, sich durch zunächst kostenlose Services von der Masse abzusetzen: Er bietet potentiellen Kunden Seminare zur Bad-Gestaltung an. Bevor er zur Ausmessung fährt, bietet er den potenziellen Kunden Kurz-Seminare an. Mehrere Kunden lernen hier gleichzeitig, wie man ein Bad gestaltet, was das kostet, worauf man achten muss und welche Produkte geeignet sind. Dadurch entsteht eine Win-Win-Situation: Der Kunde weiß anschließend, was er will, und Herr Bergmann hat durch sein Seminar Vertrauen aufgebaut, sodass der Interessent ihn eher berücksichtigt, als die Konkurrenz. Entschieden sich vor den Vorträgen nur 1 von 5 Interessenten für einen Auftrag, so liegt jetzt die Auftragsquote bei 4 zu 5.
So werden immense Kosten gespart, da der Akquise-Prozess für viele Kunden in einem Event zusammengefasst wurde. Gleichzeitig dient das Event als Filtersystem: Nur bei wirklich interessierten Kunden wird die aufwändige Ausmessung vorgenommen.
Ein cleverer Vertriebsprozess, der darauf abzielt, die Kunden schlauer zu machen und ihnen einen konkreten Nutzen bei der Entscheidungsfindung liefert. Hier geht’s zum Interview mit Herr Bergmann im Podcast der WirtschaftsWoche hör-bar.
Eine tolle neue Geschäftsidee hatten die Macher der Seite Fiverr: Dies ist ein Online-Markplatz für Aufgaben, die 5 Dollar kosten. Man kann dort verschiedene Aufgaben für exakt 5 Dollar erwerben oder anbieten. Diese reichen von WordPress-Installationen über Tarotkarten-Legen oder Chinesisch-Übersetzungen bis hin zum Schreiben von romanischen Sonetten. Kategorien helfen bei der Suche: Social Marketing, Technologie, Schreiben, Business, Bizarres oder Programmieren sind einige davon. Fiverrr selbst behält jeweils 1 Dollar. Bedingung ist, dass die Jobs innerhalb von 24 Stunden ausgeführt werden, wobei der Käufer im Voraus zahlt. Die Idee ist so unterhaltsam wie genial: Wird die Aufgabe nicht ganz zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt, ist man eben 5 Dollar ärmer, was aber kein hoher Verlust ist. Oder man hat die Chance, für 5 Dollar ein gutes Schnäppchen zu machen. Als Orientierung für die Käufer, existieren ebenfalls Bewertungen der Job-Anbieter. Vielleicht gibt es ja bald eine Premium-Seite für 10 Dollar-Aufgaben…
Eine schlaue Geschäftsidee hatten die Besitzer des LCafe in Japan: In diesem Cafe werden den Gästen nicht nur Cafe und Snacks serviert, sondern bei jeder Bestellung zusätzlich sogenannte „L Coins“ geschenkt. Diese Coins können die Gäste direkt vor Ort gegen verschiedene Produktproben eintauschen. Die Auswahl dabei reicht von Kosmetikprodukten über Foods und Drinks bis hin zu Handytaschen. Auch die Bewertung der neuen Produkte lohnt sich: Wenn man im Anschluss einen elektronischen Fragebogen ausfüllt, bekommt man weitere Coins um neue Produkte zu testen.
Die Ursprungsidee, das sogenannte Sample Lab, ist in Japan sehr verbreitet. Hierbei zahlt man in einem Shop eine Jahresmitgliedsgebühr, kann dort aber nicht einkaufen, sondern neue Produkte testen und anschließend bewerten. Den positiven Nebeneffekt des Viralmarketing bekommt der Shopbesitzer zusätzlich, sind seine Kunden doch Trendsetter, kennen die neuesten Produkte und berichten davon. In Deutschland existiert noch kein einziges Sample Lab, was sich vielleicht bald ändern könnte, wenn man den Siegeszug dieses Konzepts in Japan beobachtet.