Junge Konsumenten legen sehr viel Wert auf Marken und tauschen sich mehr denn je darüber aus. Zu diesem Ergebnis kommt die internationale Studie „The Reset Generation“ von Medianetwork Initiative, für die mehr als 7.500 Personen aus 15 Ländern im Alter zwischen 18 und 24 Jahren befragt wurden.
Die überwundene internationale Finanz- und Wirtschaftskrise hat laut Studie weltweit ähnliche Auswirkungen auf die junge Generation. Sie entwickelt sich auf allen Kontinenten sehr homogen mit ähnlichen Gewohnheiten und Einstellungen.
Weltweit müssen sich junge Verbraucher an die Gegebenheiten der Krise anpassen, was ihr Konsumverhalten konservativ geprägt hat. Sie legen Wert auf Marken und tauschen sich vor allem in der digitalen Welt darüber aus: 34 Prozent von ihnen nutzen dafür soziale Netzwerke und ebenso viele Consumer Review Sites, in Blogs und Foren suchen 33 Prozent der Studienteilnehmer nach Informationen über Marken und Produkte. Wichtig dabei ist, dass Marken von anderen weiter empfohlen werden.
Bei 63 Prozent der jungen Käuferschaft steht weltweit der Value for Money einer Marke im Vordergrund, gefolgt von Beständigkeit (bei 56 Prozent) und Zuverlässigkeit (bei 54 Prozent). Das Medianetwork IM leitet daraus die Empfehlung an die werbetreibende Industrie ab, “die traditionellen Werte wie Verlässlichkeit über digitale Technologien zu kommunizieren”.
Noch mehr dürfte die Werbekunden allerdings überzeugen, dass weltweit 82 Prozent dieser begehrten jungen Zielgruppe gerne ihre positiven Produkterfahrungen mit anderen Menschen teilt. 75 Prozent tun das auch, wenn sie schlechte Erfahrungen über eine Marke oder ein Produkt zu berichten haben.
Die Kommunikationsexperten von IM schließen daraus, dass die Unternehmen die junge Generation an den Entstehungsprozessen ihrer Produkte teilhaben lassen sollten – Stichwort Open Innovation und Crowdsourcing. Ein Drittel der Studienteilnehmer äußerte, künftig Produkte mitgestalten zu wollen. Gerade hier liegt ein großes – bislang noch wenig genutztes – Potenzial. Die Intelligenz einer hochmotivierten Masse wird genutzt, um neue Ideen und Produkte zu erschaffen, die den Bedürfnissen der Kunden auch wirklich entsprechen. Wenn man bedenkt, dass 50 bis 80 Prozent aller neuen Produkte scheitern, da sie am Markt vorbei entwickelt wurden, bietet diese Form der interaktiven Wertschöpfung zwischen Unternehmen und Kunden einen interessanten Lösungsansatz.

Das Mitmach-Web hat seine eigenen Gesetze. Trotz sorgfältiger Planung entwickeln mache Online-Kampagnen ihre ganz eigene Dynamik. Das musste nun das Versandhaus Ottto erfahren. Hier übernahmen die Kunden die Kontrolle über eine Facebook-Kampagne und leiten diese derzeit in eine unvorhergesehene Richtung. Die Kunst ist es, als Unternehmen nicht in Panik zu geraten und trotzdem als Gewinner hervorzugehen.
Zunächst zur Kampagne: In einem Model-Contest sucht Otto derzeit das Gesicht für die eigene Facebook-Fanpage. Lange Zeit ging alles gut. Fast 50.000 Facebook-Nutzer, gutaussehende Jungen und Mädchen, beteiligten sich. Doch nun führt beim Voting ein junger Mann mit blonder Perücke, grellroten Lippen und kurzem Rock.
16.000 Stimmen hat “Brigitte” aus Koblenz bereits, liegt weit vor der hübschen Klara aus Schweinfurt. Offensichtlich haben sich die Teilnehmer beim Modelcontest in Scharen einen Spaß daraus gemacht, den Travestie-Ulk an die Spitze zu wählen.
Was bei Otto als klassische Crowdsourcing-Geschichte mit Interaktion der Kunden begann, wird damit nun zu einem sensiblen Thema. Kann die Clownerie zum Otto-Gesicht werden?
Laut Rhein-Zeitung steckt unter der blonden Perücke ein 22-jähriger Student. Der habe sich nur einen Spaß gemacht. Unter Freunden quasi. Doch auch das Web hat seinen Spaß und wählt ihn an die Spitze und könnte ihn nun so zum neuen Gesicht von Otto bei Facebook machen. Die Wahl dauert noch zwei Tage.
Und wenn „Brigitte“ gewinnt? Bei Otto macht man das einzig Richtige in dieser Situation: Man beobachtet das Ergebnis amüsiert und nimmt es mit Humor. „Die Nutzer haben das Sagen! Wenn Brigitte gewinnt und das will, dann wird er auch als Frau fotografiert und auf die Seite kommen!“, lässt sich Otto zitieren.
Immerhin: Das beste Bild aus dem Shooting soll nur für zwei Wochen das neue Otto-Profilbild bei Facebook werden. Dann ist der „Spuk“ vorbei.
Und in der Zwischenzeit kann Otto mit Humorverständnis Sympathiepunkte sammeln und zugleich gut sichtbar beweisen, dass die Zielgruppe lockerer und jüngerer ist, als es manch ein Vorurteil über die Versandwelt vermuten lässt.
Crowdsourcing hat normalerweise das Problem, dass die Arbeitgeber die Qualität der Arbeitsergebnisse nicht im Voraus wissen können – schließlich kennen die Auftraggeber den Arbeiter meist nicht persönlich. Die internationale Plattform Edge Amsterdam bietet nun eine Qualitätsgarantie: Als eine Art „Elite-Crowdsourcing“ Plattform beschränkt sie den Bewerberpool auf talentierte Mitarbeiter und arbeitet mit jungen kreativen Talenten und Marken zusammen, um Produktinnovationen voranzutreiben. Nur per Einladung darf man sich um Stellen bewerben. Edge findet seine Online- und Offline-Arbeitskräfte über Kunsthochschulen und andere Verbindungen um sicherzugehen, dass nur fähige Mitarbeiter im Bewerberpool sind.
Andere Plattformen verlassen sich hingegen auf die eigenen Profilangaben der Bewerber und bieten zwar ein Rating-System an, das jedoch nur nach einiger Zeit und mehreren objektiven Bewertungen seinen Zweck erfüllt.
Mit dieser externen Qualitätskontrolle umgeht Edge Amsterdam das Problem und sollte nach seiner Beta-Phase durchaus auch auf andere Branchen ausgeweitet werden.
Nicht nur Unternehmen und Arbeiter finden sich im Internet, sondern auch Produkthersteller und Ideengeber. Solche Ideenplattformen auf Crowdsourcing-Basis existieren mittlerweile einige im Netz, doch dass sich daraus wirklich neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln, ist eher selten. Tchibo-Ideas oder MyStarbucksIdea sind Beispiele für eine gelungenen Umsetzung des Konzepts, dass die Community den Herstellern Vorschläge für neue Produkte vorgibt, welche dann auch umgesetzt werden.
Das neue Portal Solvster gibt nun verschiedensten Firmen Zugang zur „Weisheit der Masse“. In drei Schritten sollen hier aus Ideen Produkte entstehen. Innerhalb des TrendQuest formulieren Unternehmen, Experten und Konsumenten mögliche Trends, die im TrendQuest zur offenen Diskussion stehen. Im Rahmen des IdeaQuest können die Crowds anhand vorformulierter Kriterien der beauftragenden Unternehmen Produktideen vorschlagen. Im Anschluss daran werden die besten fünf Ideen in den ShopQuest übergeführt. Hier wird die Community gefragt, welches Produkt sie zu welchem Preis kaufen würde.
Die Besonderheit ist, dass man in jeder Phase sog. “Shells” erwerben kann. Wenn man sich anmeldet, neue User gewinnt, an Abstimmungen im TrendQuest teilnimmt oder Ideen im IdeaQuest dazusteuert, erhält man Shells. Mit diesen Shells kann man dann virtuell in den Solvster-Shops einkaufen. In diesen Shops werden jeweils fünf Produktideen der teilnehmenden Unternehmen vorgestellt, nachdem sie durch die ersten beiden Phasen durchgelaufen sind. Wenn man das Produkt virtuell gekauft hat, dass das Unternehmen als potentiellen Topseller ausgewählt hat, erhält man wiederum anteilig Shells.
Dieser etwas komplizierte Prozess innerhalb des ShopQuest wird hier genauer erklärt. Nachdem die österreichischen Entwickler der Plattform schon mehr als 7.000 Community-Mitglieder gewinnen konnte, kommt jetzt die größte Herausforderung, auch Unternehmen zu finden, die daran teilnehmen. Knapp 10.000 EUR soll die Beteiligung für die Unternehmen kosten. Dafür soll gewährleistet werden, dass Produkte nicht mehr an den Interessen der Konsumenten vorbei entwickelt werden. Ob dies mit Solvster gelingt, wird die Zukunft zeigen.
Crowdsourcing und die Nutzung der Schwarmintelligenz sind Trend. Immer mehr Unternehmen setzen auf die Weisheit der Masse um mithilfe der Community neue Ideen zu entwickeln. In den USA bindet Ford nun freie Software-Entwickler in die Weiter-entwicklung seines Kommunikations- und Unterhaltungssystems SYNC ein. Wer Vorschläge für neue Apps macht, die Ford für erfolgversprechend hält, bekommt von dem Autobauer ein Kit mit den nötigen Entwicklungstools und kann eine SYNC-App selbst entwerfen. In Europa will Ford das SYNC-System mit der neuen Generation des Focus einführen.
Der „Social Bordcomputer“ wurde 2007 zusammen mit Microsoft entwickelt. Seit 2008 wird SYNC in amerikanische Autos eingebaut und ist extrem beliebt: 32 Prozent der Ford-Kunden geben es als Hauptgrund für ihren Kauf an. Fahrer können damit fast jedes Smartphone und andere Mediaplayer in ihren Wagen bringen und diese dann per Sprachsteuerung oder Autoradio bedienen. SYNC kann sogar SMS empfangen und laut vorlesen.
In diesem Jahr will Ford auch die Nutzung der populärsten Smartphone-Apps ermöglichen. Für die Verbesserung vorhandener Apps und die Entwicklung neuer Apps, hat Ford nun eine Internetseite eingerichtet, auf der sich Hobby-Entwickler registrieren und einbringen können. Obwohl die Website noch nicht komplett fertig gestellt ist, haben sich Ford zufolge bereits im Juli fast 800 App-Entwickler für das “SYNC Mobile Developer Network” registriert. Die selbstentwickelten und fertigen Apps sollen die Hobby-Tüftler dann selbst beispielsweise über App-Stores vertreiben können.
Auch offline werden die Endverbraucher eingebunden: In Do-it-yourself-Werkstätten (bereitgestellt von der Werkstattkette Techshop) soll jedermann vom Hinterhof-Entwickler bis zum Software-Ingenieur die Möglichkeit haben, Innovationen für Pkw zu entwickeln. Räume und Werkzeug werden in dieser offenen Werkstatt bereitgestellt. Ford erhofft sich durch dieses Erfinder-Projekt weitere interessante Innovationen durch die Kunden.
Social Responsibility gemixt mit Community-Ideen als Marketing Strategie: Pepsi erreicht mit seinem neuen Project „Pepsi Refresh Project“ große Werbewirkung. Seit 4 Monaten sponsert der Softdrink-Hersteller schon über 100 kleinere und größere Projekte in den USA. Gefördert werden oft zusätzliche Bildungsangebote wie ein Schulgewächshaus, betreute Spielplatze oder Jugendzentren. Die Idee dahinter ist, an der Basis zu fragen, welche Projekte förderungswürdig sind und die Internet-Community bei der Entscheidung mitwirken zu lassen. Eine Pepsi-Studie kurz vor der Aktion ergab, dass 70 Prozent der Amerikaner der Meinung sind, dass neue Ideen von „Menschen, wie du und ich“ wirkungsvoller und besser sind, als die von Autoritätspersonen wie Chefs oder politische Entscheidungsträger.
Die Resonanz ist enorm: Über 2 Mio. User haben sich auf der Refresh Project Seite registriert und über 5.000 neue Ideen generiert. Jeden Monat kommen 32 neue Projekte hinzu, insgesamt hat Pepsi schon über 5 Mio. Dollar gespendet. Mit der Aktion konnte Pepsi die Zahl seiner Facebook Fans mehr als verdoppeln und 24.000 neue Twitter-Follower sammeln.
Der Grund für den Erfolg liegt zum einen in einer einfachen Basisidee: Die Menschen versuchen Probleme zu lösen, die sie direkt in ihrer Umgebung betreffen. Außerdem kann die Community bestimmen: Es werden Ideen durch Crowdsourcing generiert – vielleicht das Marketing-Instrument momentan. Pepsi erhält durch diese Kampagne dauerhafte Werbewirkung vor Ort als auch in den Medien. Dabei bleibt Pepsi im engen Kontakt mit einem Netzwerk von wohlgesinnten Fans. Und jedes Mal wenn man eine Dose Pepsi trinkt, hat man das Gefühl etwas Gutes zu tun, da man damit das Projekt unterstützt. Schlau gemacht.