Wie und wo informieren sich Medienvertreter, Finanzanalysten, Investoren oder Jobsuchende im Web? Müssen Unternehmen in Zukunft ihre Webpage in eine Facebook-Seite umwandeln? Die Studie “Vom Website-Betreiber zum Multi-Channel-Manager” von Virtual Identity zeigt: Firmenwebsites haben noch lange nicht ausgedient, doch die Bedeutung von Social Media steigt.
Keine Frage: Die Mediennutzung von Unternehmenszielgruppen hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Kunden steuern die Kommunikationsprozesse von Unternehmen in der digitalen Öffentlichkeit heute mit. Angestammte Kommunikations-strategien und -gewohnheiten sind vor diesem Hintergrund zu hinterfragen. Hierfür untersuchte Virtual Identity das Online-Verhalten von 5.000 Personen. Die Ergebnisse:
In der Phase der Neuorientierung und als erste Anlaufstelle zur Informationsaufnahme werden neben den allgemeinen und traditionellen Plattformen, d.h. etablierten Medien wie Suchmaschinen, Unternehmens-Websites oder Online-Fachzeitschriften auch neuere Quellen wie Blogs, Netzwerke oder Foren werden berücksichtigt.
In der Phase der Konkretisierung der Informationsanforderungen, die in Interaktionen oder Transaktionen mit dem Unternehmen einmündet, überwiegt dagegen die Relevanz der etablierten Medien; insbesondere die Unternehmens-Website hat eine hohe Reputation.
Insgesamt entsteht ein Bild, welches das klassische Mediennutzungsmuster weitgehend bestätigt und ein hohes Maß an Zufriedenheit mit den vorhandenen Medienangeboten widerspiegelt:
- 70% der Jobsuchenden nutzen Unternehmenswebsites in der Phase der Stellensuche.
- 92% der Kunden erachten Informationen zu Produkten, 71% zu Dienstleistungen als (sehr) wichtig.
- 81% der Finanzanalysten halten Geschäfts- und Zwischenberichte für (sehr) wichtig; 52% der Investoren nutzen Unternehmens-Websites für die Recherche und den Vergleich von Anlageoptionen.
- 74% der Medienvertreter halten Unternehmens-Statements und Pressemitteilungen für wichtig; 40% nutzen Blogs und 39% Foren und Fach-Communities bei der Themenfindung.
- 57% der Mitglieder eines Verbandes oder Interessengruppe und 55% der Compliance-Interessierten bewerten Nachhaltigkeitsberichte als sehr relevant bzw. relevant; 51% der Mitglieder in Verbänden und Interessengruppen nutzen die Unternehmens-Website zum Kennenlernen eines Unternehmens.
In einigen Aspekten der Mediennutzung zeigt die Studie jedoch auch spezifische und überraschende Ergebnisse:
- Produktinformationen haben auch für Medienvertreter eine hohe Relevanz: 83% der Medienvertreter nutzen diese, wenn sie sich über Unternehmen informieren – noch vor Unternehmens- Statements und Pressemitteilungen.
- Das Informationsverhalten von Investoren und Finanzanalysten zeigt deutliche Unterschiede: Investoren recherchieren fast ausschließlich in klassischen Online-Medien, während Finanzanalysten auch Social-Media-Kanäle befragen: 38% der Finanzanalysten nutzen Social- Bookmarking-Dienste und 33% Foren und Fach-Communities, um Detailinformationen oder Vergleichsdaten zu Anlagemöglichkeiten zu finden.
- Compliance-Interessierte und Mitglieder in Verbänden und Interessengruppen nutzen die ganze Bandbreite von Online-Diensten und -Plattformen, dabei fällt die hohe Bedeutung von Social Media auf.
- Bei den Kunden zeigt sich eine große Streuung in der Nutzung der Inhalte und Informationsquellen: Um sich über ihr Fachgebiet auf dem Laufenden zu halten, nutzen Kunden Foren und Fach-Communities intensiv; in der Phase der konkreten Kontaktaufnahme spielt dagegen die Unternehmens-Website eine größere Rolle.
Bei den Einschätzungen zu zukünftigen Entwicklungsrichtungen der Mediennutzung zeigt sich durch die verschiedenen Zielgruppen hindurch ein ähnliches Stimmungsbild – mit spezifischen Ausprägungen:
- Meinungen in nutzergenerierten Medien werden den Unternehmenserfolg und das Bild in der Öffentlichkeit zukünftig immer stärker beeinflussen: Dies schätzen 46% der Finanzanalysten, 45% der Investoren, 58% der Kunden und 54% der Jobsuchenden als (sehr) wahrscheinlich ein.
- Die Nutzung von Videos wird im Web eine zunehmende Rolle spielen: 73% der Kunden erwarten in Zukunft eine Präsentation von Produktinformationen mittels Online-Videos; 70% der Investoren, 68% der Finanzanalysten und 60% der Medienvertreter bewerten eine standardmäßige Live-Übertragung von wichtigen Events als sehr wahrscheinlich bzw. wahrscheinlich.
- Die Erwartungen an Communities sind unterschiedlich: Mehr als 61% der Vertreter von Verbänden und Interessengruppen, 55% der Compliance-Interessierten, 53% der Medienvertreter – aber nur 38% der Investoren – schätzen die Kontaktpflege in sozialen Netzwerken als (sehr) wahrscheinlich ein
- Kontrovers sind auch Meinungen zur zukünftigen Bedeutung mobiler Websites: 62% der Finanzanalysten sowie 54% der Compliance-Interessierten schätzen diese als relevant ein, um sich über das aktuelle Marktgeschehen auf dem Laufenden zu halten, aber nur 41% der Investoren und der Kunden halten dies für sehr wahrscheinlich bzw. wahrscheinlich.
Insgesamt zeigt sich, dass die Anforderungen an die Multimedialität, Flexibilität und Vernetzung von Informationsangeboten gewachsen sind. Unternehmen haben es heute mit Zielgruppen zu tun, die einen sehr spezifischen Informationsbedarf haben und gegenüber neuen Informationsquellen aufgeschlossen sind. Kommunikationsverantwortliche, die in der Vergangenheit als Website-Betreiber erfolgreich waren, werden sich zukünftig eher als flexible „Information Broker“ und Multi-Channel-Manager positionieren müssen. Mit der Ausdifferenzierung der Medienlandschaft verschärft sich der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Kunden. Darauf sollten Unternehmen mit entsprechenden thematischen, medialen wie auch organisatorischen Strategien reagieren.
Hier gibt es die Studie kostenlos als PDF.