Welcher Facebook-User kennt sie nicht: Die kleinen niedliche Farmen oder die geheimnisvollen Mafia-Gangs, die derzeit wie Unkraut aus dem fruchtbaren Facebookboden sprießen. Was als kleiner Zeitvertreib beginnt, kann schnell zur „Sucht“ werden, denn irgendwie macht es ja schon Spaß zu sehen, wie die eigenen Farm wächst und gedeiht oder man als Mafioso in geheimer Mission erfolgreich ist. Während die meisten User die Spiele kostenlos spielen, besteht auch die Möglichkeit sich für reales Geld Vorteile zu erkaufen, die den Fortschritt im Spiel erleichtern. Diese Möglichkeiten nutzen immer mehr Spieler und machen die Entwickler der Spiele damit zu namenhaften Unternehmern. Das Wall Street Journal schätzte unlängst den Unternehmenswert von Zynga – den Machern von Farmville und anderen Social Games – auf 4,6 Mrd. US-Dollar. Auch für Investoren scheinen die kleinen Zeitverschwender interessant: Zynga erhielt kürzlich 180 Mio. Dollar von einem russischen Investor und auch US-Unternehmen investieren in das junge Unternehmen.
Alle Wichtigtuer aufgepasst! Wer sich gerne lauthals über sein volles Email Postfach beschwert und daher ziemlich wichtig ist, bekommt Unterstützung von einem T-Shirt. Es zeigt an, wie viele Emails man bekommen hat. Der Software-Entwickler Chris Ball kam auf die Idee, ein T-Shirt mit eingebautem Zähler zu produzieren. Alle ungelesenen Emails werden über ein Android-Handy und einer Bluetooth-Schaltung auf eine kleine Leuchtplatte des Hemds geleitet. Emails am Computer checken war gestern, jetzt reicht einfach der Blick aufs T-Shirt um zu wissen, dass man sie NICHT checken muss!
So kann eine gelungene Guerilla-Marketing Kampagne aussehen: Der Geblitzte wird sich zwar über sein Polizei-Foto ärgern, erhält jedoch gleichzeitig den netten Hinweis eines Fotoherstellers, wo man günstigere Bilder machen lassen kann. Frech, aber bestimmt wirkungsvoll, denn kein Foto ist so teuer, wie das eines Blitzers…
Der moderne Internetnutzer wird vor die Tür gesetzt! Mit Brightkite, Gowalla und Foursquare bildet sich seit einigen Monaten eine neue Form des Internets: Das Outernet. Die sogenannten “Location Based Services“ sind Anwendungen, die speziell für die Nutzung des Internet unterwegs über das Handy entwickelt wurden. Grundfunktion ist die Möglichkeit seinen Freunden mitzuteilen, wo man sich gerade aufhält. Alle drei Anbieter tauschen ihre Daten mit Twitter und Facebook aus. Beiträge bei den beiden großen Netzwerken können von unterwegs aus vom Handy geschrieben werden und so mit Ortsangaben verknüpft werden.
Beim Anbieter Gowalla liegt der Schwerpunkt für den Nutzer darauf an einem Ort „zu sein“. Das Erreichen eines Ortes wird mit einem Punktesystem oder kleinen virtuellen Geschenken belohnt. Man kann sich im Sammeln von Punkten mit seinen Freunden messen und auch Routen erstellen. Ähnlich wie beim Geocaching wird das Erreichen der Orte auf dieser Route mit virtuellen Geschenken belohnt. Ein neuer Anreiz an die frische Luft zu gehen.
Foursquare und Brightkite bringen dem User noch weiteren Nutzen. Über jeden möglichen Aufenthaltsort kann man kleine Notizen verfassen, die Freunde automatisch erhalten, wenn sie den gleichen Ort betreten. Für Unternehmen bieten sich mit diesen Services völlig neue Dimensionen des Marketing: Werbung kann nun nicht nur personenbezogen, sonder zudem ortsbezogen platziert werden. Mit der Kombination der Infos von Unternehmen und Freunden kann man dann die Werbung für das aktuelle Tagesangebot des nächsten Restaurants einsehen, und sich zudem die Tipps von Freunden anzeigen lassen, wo es die leckersten Cocktails gibt, welches Hotel in der Nähe das Beste ist, oder was man an dem Standort auf jeden oder auf gar keinen Fall tun sollte.
Der Markt für diese Anwendungen entwickelt sich gerade erst. Foursquare zählt z.B. ca. 500.000 Mitglieder, die Wachstumsraten der Mitgliederzahlen erinnern aber an die von Facebook und Twitter in deren Anfängen. Begrenzt wird das Potential derzeit aber auch noch davon, dass es erst wenige, und zudem sehr teure GPS-fähige Smartphones gibt, die die benötigte Technik mitbringen.
Im von Korruption und organisiertem Verbrechen gebeutelten Rio de Janeiro kann es lebensgefährlich sein, sich als Zeuge eines Verbrechens an die Polizei zu wenden. Denn dort muss man bei einer Anzeige seinen Namen und seine Adresse angeben; anonyme Hinweise werden nicht verfolgt. Die unterbezahlte und überforderte brasilianische Polizei ist aber leicht käuflich, und nicht selten landen so die persönlichen Daten eines Informanten bei den Gangstern selbst. Der Verein ‚Disque Denúncia‘ (frei übersetzt: Strafanzeige aufgeben) – bisher schon über eine Hotline zu erreichen – leitet anonyme Hinweise, die man nun via Facebook, Twitter und SMS schicken kann, an die Militärpolizei weiter. Die im sozial gewordenen WWW manchmal missbilligte Anonymität rettet hier Leben und bekämpft Verbrechen wirkungsvoll.
Das Unternehmen Starbucks, das zuletzt mit rückläufigen Kundenzahlen zu kämpfen hatte, lies sich im Kampf um die Kunden etwas einfallen: Auf der Plattform mystarbucksidea.force können Kaffeefans ihre Ideen veröffentlichen. Es werden Vorschläge zu neuen Produkten, Räumlichkeiten, sozialem Engagement und weiteren Features eingereicht, von der Community diskutiert und bewertet. Was letztendlich umgesetzt wird, entscheiden die Nutzer durch ein Online-Voting. Die Frage des Tages lässt die Nutzer beispielsweise über gut klingende Muffin-Namen abstimmen. Insgesamt wurden über 80.000 Vorschläge eingereicht, die aktuelle Top-Idee wurde über 95.000 Mal positiv bewertet und über 1.000 Mal kommentiert. Die Facebook-Seite von Starbucks konnte so über 5,5 Millionen Fans sammeln. Die Idee, den Kunden als Ideengeber im Web 2.0 zu integrieren, fördert nicht nur Kundendialog sondern führt letztendlich auch zu einer höheren Loyalität.