Dass Soziale Netzwerke als Data Mining Quelle herangezogen werden, ist nicht neu. So gibt der Einzelne meist auch Acht, welche Inhalte er ins Netz stellt, veröffentlicht und welche nicht. Doch es ist nicht einfach nur der Inhalt der Daten, der uns „verrät“, es ist unsere Vernetzung innerhalb des Netzwerkes, welche uns für Marktforscher interessant macht. Denn daraus lassen sich Rückschlüsse auf unsere Persönlichkeit und unsere Rolle innerhalb dieser Gruppen ziehen. Gemäß dem Motto: „Sage mir, wer deine Freunde sind, und ich sage dir, wer du bist.“
Eine Studie der Wirtschafts-wissenschaftler Jan Kratzer und Christopher Lettl zeigte, dass sich zwei bestimmte Persönlichkeitstypen anhand ihrer Vernetzung klar identifizieren lassen: „Meinungsmacher“ und „Anführer“. Gerade für Werbetreibende natürlich hoch interessante Gruppen. „Anführer sind diejenigen, die mit vielen verschiedenen Gruppen vernetzt sind, dadurch diverse Informationen erhalten und verschiedenen Einflüssen ausgesetzt sind. Sie werden durch diese Brückenfunktion eher zum „lead user“ und Vorreiter neuer Ideen. „Meinungsmacher“ hingegen sind nur innerhalb einer bestimmten Gruppe vernetzt, in dieser dafür sehr stark und mit vielen direkten Beziehungen. Sie sind der Knotenpunkt, der die Haltung der Gruppe extrem beeinflusst. Ist der Meinungsmacher einer Marke gegenüber positiv eingestellt, so ist es wahrscheinlich auch die ganze Peer Group. Hinzu kommt, dass Empfehlungen von Freunden im Netz viel mehr Vertrauen genießen, als jede Werbung. Ist der „Anführer“ somit der Entdecker der Trends, werden sie vom „Meinungsmacher“ für die Massen interessant gemacht. Dass sich Marktforscher für diese Network-Infos interessieren, ist keine Überraschung. Dass Facebook jedoch persönliche Daten selbstverständlich ca. 10 bis 20 Mal am Tag weitergibt, schon eher. Zwar nur auf staatliche Anfragen hin, ist aber dennoch beunruhigend, dass Kontaktinfos, Mini-Feed, Freunde und Nachrichten preisgegeben werden können. Darüber sollte sich jeder im Klaren sein, der Daten ins Web stellt und sich vernetzt.
Augmented Reality ist Trend. Eine simple Webcam lässt den User auf seinem Bildschirm sich selbst sehen aber auch Dinge, welche die Realität übersteigen bzw. erweitern („augment“). Marketing-Experten haben das große Potential dieser neuen Technik erkannt und geniale Kampagnen gestartet. Hier die bisher besten Aktionen:
BMW Z4
BMW wirbt in England für seinen Z4 mit einer Augmented Reality Software. Dabei druckt der User einfach ein bestimmtes Symbol aus und hält dieses Blatt Papier vor seine Webcam. Das von der Webcam erkannte Symbol erzeugt eine Miniatur-Ausgabe des Z4 auf dem Bildschirm, mit der man anschließend auf seinem Schreibtisch fahren kann. Die Räder des Wagens dienen dabei als Pinsel, wodurch man bei seiner Fahrt Bilder erzeugt. Diese Kunstwerke kann man sich ausdrucken oder an seine Facebook Freunde versenden:
Doritos Chili-Chips
Der Chips-Hersteller Doritos schont mit seiner Marketing-Aktion sogar die Umwelt. Die Chips-Tüte wird nicht achtlos weggeworfen sondern mit der Rückseite an die Webcam gehalten. Der darauf gedruckte Code wird gescannt und erzeugt eine Cartoon Figur, mit der man im größten Social Network Brasiliens, Orkut, ein Spiel spielen kann:
Ray-Ban
Online-Shopping nimmt extrem zu. Doch Sonnenbrillen sollte man besser anprobieren, bevor man sie kauft. Um aus diesem Dilemma zu entkommen, nutzt Ray-Ban ein besonderes Augmented Reality Tool: Der potentielle Käufer kann am Bildschirm sehen, wie ihm die neuesten Brillen-Modelle stehen – von verschiedenen Blickwinkeln aus. Meiner Meinung nach die bisher nützlichste Anwendung:
Wrigley’s
Der Kaugummi-Hersteller Wrigley’s vermarktet seinen neuen Kaugummi „5 GUM“ mit 5 Symbol-Karten, die die Webcam erkennt. Jede Karte repräsentiert eine von 5 verschiedenen Geschmacksrichtungen des Kaugummis. Das Erkennen der Karten erzeugt Musik. Hält man eine Karte verdeckt, so wird dessen Sound gestoppt. Zeigt man sie der Kamera und bewegt sie, so ertönt der Sound und man mischt diesen zu den anderen Tönen:
Dies sind erst die Anfänge der Nutzung dieser Technologie. Wir warten gespannt auf weitere interessante Ideen…
Das Gerücht, dass Guido Westerwelle kein Englisch spricht, wurde durch dieses Web-Video zum peinlichen Fakt. Das Video ist zwar schon 3 Jahre alt, wurde aber dieses Jahr zum “Hit” mit mehr als 1 Mio Klicks, nachdem sich Westerwelle vor 3 Monaten geweigert hatte, einem Reporter auf Englisch zu antworten. Jetzt wissen wir auch warum:
Einer der erfolgreichsten Werbespots aller Zeiten stammt von Evian. Über 15 Mio. Menschen sahen sich die Roller Babies auf YouTube an:
Ebenfalls für Wirbel sorgte das Video der Pressekonferenz zur Vorstellung der schwarz-gelben Koalitionsvereinbarung. Ein niederländischer Journalist blamierte Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Koalition, als er sie auf die Rolle von Wolfgang Schäuble bei der CDU-Spendenaffäre von 1999/2000 ansprach. Genau dieser sollte nämlich Finanzminister werden:
Der Flashmob des Jahres gelang der Künstlergruppe Improv Everywhere, welche die Central Station in New York einfror. Über 20 Mio User sahen sich bisher die Aktion an:
Auf der Online-Plattform Facebook tummelt sich ja so manch schräge Person, doch dass nun auch ein echter Affe einen Account besitzt, ist neu. Nonja heißt das Orang-Utan Weibchen, das im Wiener Tiergarten Schönbrunn selbstständig Fotos knipst und diese auch auf Facebook hochlädt. Ihre Kamera erhielt die Affen-Dame vom Elektronik-Hersteller Samsung, der damit seine neues ST1000 Modell bewirbt. Das besondere daran: Es ist die weltweit erste Kamera, die sich via WiFi direkt mit Social Network Plattformen wie Facebook, Flickr oder YouTube verbindet. Die Bedienung sei dabei so einfach, dass es „eben selbst ein Affe schafft“. Die oft verwackelten Bilder von Nonja können zwar kaum als hohe Kunst der Fotografie bezeichnet werden, allerdings stört das die Fans wohl nicht: Nonja sammelte innerhalb von 2 Tagen mehr als 20.000 Fans auf Facebook, die sich über das Affenleben ein Bild machen wollen, bzw. dieses sich ansehen wollen. Doch die Marketing-Experten haben noch einen weiteren Anreiz geschaffen: So kann man als Fan jede Woche eine Digitalkamera von Samsung gewinnen. Von dieser Aktion haben somit alle etwas: Der Wiener Zoo, der Medienpräsenz und Besucher erhält, Facebook-Fans, die etwas gewinnen können, das Unternehmen Samsung, das eine große Marketing-Plattform gefunden hat und auch Nonja, die sich über eine nette Abwechslung in ihrem Gehege freuen kann.
Wie wird die Zukunft von Social Media aussehen? Experten wurden zu ihren Prognosen für das Jahr 2010 befragt. Entstanden sind die „Trend Predictions“, veröffentlicht vom Marktforschungsinstitut TrendsSpotting. So kommen die Hauptströmungen aus den Bereichen Handy, Location (d.h. Ortungs-Tools), Transparenz, ROI-Messung und Privatsphäre. Eine besonders starke Entwicklung: Unternehmen werden Social Media integrieren, mit einem tatsächlichen ROI. Hier ein paar nach Kategorien sortierten Prognosen, die ich für interessant halte:
Location: Hier könnten location-sharing services durch Handys den Durchbruch schaffen – außer Twitter und Facebook installieren die Ortungsfunktionen selbst. Unser aktueller Aufenthaltsort könnte an jeden Tweet oder Blog-Kommentar, jedes Foto oder Video, das wir posten, angehängt werden. Auch Augemented Reality muss beweisen, dass es mehr ist als eine Spielerei und wirklich nützlich und umsetzbar ist. Tragbare Inhalte, die wir teilen können werden Trend. Dies werden Mobiltelefone für uns ermöglichen. Location-basierte Werbung wird boomen.
Privatsphäre: Premium Social Networks werden entstehen oder in solche umgewandelt werden.
Unternehmen und Social Media: Unternehmen werden sich verstärkt in Social Media engagieren. „Erfahrungen“ für den Konsumenten ist das Stichwort. Ebenso werden Unternehmen gezielt unsere ins Netz gestellten Daten auswerten können, um eine personalisierte Kommunikation zu ermöglichen. One-Way-Channels der Marken stagnieren. Marken lassen die Konsumenten selbst ihre Marke interpretieren. Der Einfluss von Social Media auf den ROI wird stark ins Blickfeld rücken: Wie ist der Zusammenhang zwischen Fananzahl und Verkaufszahlen oder Markentreue? Er wird messbar und genutzt.
Die Suche im Netz wird „social“: Echtzeit-Resultate, kollektive Informationen, Bewertungen von Freunden und Bekannten leiten unser Suchverhalten. Google wird verstärkt Social-Applikationen und Social-Tools einführen um mit Facebook und Twitter mitzuhalten. Facebook wird seine eigene Suchfunktion einführen und damit Online Communities revolutionieren.
Das Online-Netzwerk Facebook wurde von Datenschützern aus den USA verklagt. Der Grund: die neuen Datenschutzrichtlinien. Die Kläger kritisierten, dass durch die Neuerungen nun private Nutzer-Daten öffentlich zugänglich werden, die vorher nicht einsehbar waren. Dritte hätten jetzt ebenfalls Zugang zu den Informationen. Datenschützer vom Electronic Privacy Information Center (EPIC) und neun andere Verbraucherorganisationen werfen in ihrer Klageschrift Facebook vor, „unfair und betrügerisch“ zu handeln. Am 9. Dezember hatte Facebook seine Datenschutzbestimmungen geändert und dabei seine Nutzer aufgefordert, ihre Einstellungen bezüglich der Veröffentlichung von privaten Informationen wie Fotos, Kommentaren oder Freundeslisten neu anzupassen. Per Vorauswahl wurde den Nutzern bei der Umstellung nahegelegt, die privaten Daten mit jeder Person im Web zu teilen. Erst durch selbstständiges Ändern dieses Vorschlags, erhält man seine Privatsphäre – zum Teil – zurück. Denn der eigene Name, Profil-Foto, Freundeslisten, Heimatort, Geschlecht und die Seiten, von denen man “Fan” ist, werden jetzt als „öffentlich verfügbare Information” betrachtet. Facebook selbst sieht dagegen in seinen neuen Richtlinien kein Verstoß: Die Nutzer hätten schlicht eine bessere Kontrolle darüber, welche Informationen sie teilen wollen. Mit mehr als 350 Millionen Mitgliedern (6,2 Millionen davon in Deutschland) ist Facebook das größte Online-Netzwerk der Welt.